Mountainbike - Mai, 2016

Training für den Alpencross auf dem Rennsteig

16 MTBler aus Bad Hersfeld und Umgebung trainieren über das Fronleichnam Wochenende 26.05. – 28.05. 2916 auf dem Rennsteigweg für den Alpencross im September. 4200 Höhenmeter und rund 170 km gilt es in den drei Tagen zwischen Hörschel – Inselsberg-Oberhof-Kaltennordheim – Hohe Geba – Heidelstein- Gersfeld zu bewältigen.

Mit dem ersten Zug geht es am 26.05. von Bad Hersfeld über Bebra nach Hörschel. Der kleine Bahnhof wirkt unspektakulär. Es scheint, als sei hier die Welt zu Ende… Doch hier beginnt die berühmte Rennsteig Wanderstrecke mit der Markierung weißes R, unser Einstieg in den ersten Tag der Tour.

Der Rennsteig ist ein Handels- und Grenzweg, dessen Ursprünge sich bis ins 14. Jahrhundert hinein nachverfolgen lassen. Unter Etymologen ist strittig, ob das Wort „Renn“ die altdeutsche Bedeutung „Grenze“ oder eher ein Synonym für „Laufen“ bedeutet. Im Mittelalter gab es mehrere Rennsteige und daher wohl beide Bedeutungen, der Rennsteig als Grenz- und Handelsweg sowie als Lauf- und Reitstrecke.
Seit 1999 ist der gesamte Rennsteig offizielles Kulturdenkmal des Freistaats Thüringen. Mit zahlreichen alten, gut erhaltenen Grenzsteine, der allgemeinen Funktion als historischem Grenz- und Passweg und einigen sehr alter Schrifttafeln und Wegweisern ist er bis heute einer der beliebtesten Fernwanderwege in Deutschland.* (vgl. Wikipedia)


Seit einigen Jahren wird er auch für Mountainbike Liebhaber immer beliebter, bietet er doch das ideale Trainingsgelände für eine Alpencross Vorbereitung. Etwa 2000 Höhenmeter liegen vor uns. Wir, das ist die MTB Gruppe vom Deutschen Alpenverein Sektion Bad Hersfeld mit den beiden Guides Holger &Holger.

Ich stoße als „Fremdmitglied“ der DAV Sektion Fulda dazu, weil zufällig noch ein Platz frei geworden ist.

Die herzliche Aufnahme von allen im Team macht mir den Einstieg leicht. Der gleich steile Anstieg in die Rennsteig Wanderstrecke erfordert volle Konzentration und lässt keine Bedenken aufkommen, ob und wie die 2000 Höhenmeter des ersten Tages zu schaffen sind.

Eine erste Pause legen wir nach ca 500 Höhenmetern ein. Der herrliche Blick durch eine Waldschneise auf die Wartburg muss unbedingt festgehalten werden. Wo sonst in der Republik gibt es frisch gebrühten Kaffee für 1,50 Euro an einer Bude am Wegesrand? Spätestens jetzt nimmt einen das „Ich bin dann mal Weg – Gefühl“ gefangen und lässt den Alltag endgültig vergessen.

Von den Anforderungen sind die Rennsteig Trails durchaus mit Transalp Etappen vergleichbar, zumindest was die Kondition des ständigen Bergauf-Bergab angeht. Die Wurzel Trails sind durch den Regen der vergangenen Tage nicht leicht zu fahren, zumindest für mich nicht. Wie gut, dass ich ein Allmountain MTB mit 140 mm Federweg habe! Das lernt man auf solchen Strecken richtig zu schätzen.

Die erste große Herausforderung des Tages ist die steile Etappe auf den Gipfel des 916 Meter hohen Großen Inselsberg. Nur die konditionsstärksten der Gruppe schaffen den Anstieg ohne Abstieg vom Rad. Holger verspricht dem, der es ohne Absteigen schafft, das erste Freibier. Wenn das nicht motiviert…


Holger & Holger sind als MTB Guides vom Alpenverein ausgebildet und unterstützen die Gruppe jeweils vorne und hinten, so dass man sich stets gut geführt fühlt und keiner die nächste Abzweigung verpasst. Ich bin überrascht, wie gut das alles mit 16 Teilnehmern funktioniert…


Vom Inselsberg geht es steil nach unten über ruppiges Gelände, das nicht fahrbar ist und schon im Schieben einige Konzentration erfordert.

Die Mittagspause machen wir kurze Zeit später in einem netten Gasthof direkt am Weg. Das Wetter hält. Es ist frisch, doch die Sonne kommt immer wieder durch, so dass wir draußen sitzen können. „Das schlimmste liegt schon hinter uns“, sagt Holger. Das klingt doch ermutigend. Ich habe die Höhenmeter bisher gar nicht so schlimm gespürt. Vielleicht liegt es an der abwechslungsreichen Strecke und der Begeisterung für die einzigartige Strecke auf dem Naturweg Rennsteig sowie der guten Stimmung im Team.

Am Nachmittag nehmen wir noch den ein oder anderen Aussichtsturm am Weg mit und schauen weit in die Ferne: „Liegt dort hinten nicht die Milseburg“…
Bei der Ankunft am Grenzadler in Oberhof haben wir den ersten Tag fast geschafft. Eine letzte Pause und nur kurz bergauf – bergab zum Quartier im Sporthotel Oberhof.

2. Tag: Oberhof nach Kaltennordheim – 1600 Hm rund 60 km

Das Wetter für die zweite Etappe von Oberhof nach Kaltennordheim ist mit durchgehendem Regen vorhergesagt. Wir überziehen unsere Rucksäcke vorbeugend mit Regenhüllen. Wider Erwarten haben wir totales Glück mit dem Wetter: Es bleibt den ganzen Tag über trocken.

Zurück am Grenzadler schlagen wir den Weg in Richtung Zella-Mehlis ein. Jetzt geht es auf dem Rennsteig - Dolmar-Weg weiter, der uns eine Weile durch die erste Tageshälfte begleitet. Feuchte Wiesentrails führen länger bergab. Später folgt ein langer, kraftzehrender Anstieg auf den Dolmar Gipfel, ein 739m  hoher erloschener Vulkan der Werra-Gäuplatten bei Kühndorf im thüringischen Landkreis Schmalkalden-Meiningen.

Bei der Abfahrt unterhalb des Segelflugplatzes Dolmar- Kühndorf hat Matze einen Plattfuß am Hinterrad. Der Schlauchwechsel ist bei den Profis in der Gruppe schnell behoben. Während der Reparaturpause überfliegen uns die Segelflieger im Landeanflug über die 400m lange Start-und Landebahn aus Gras. Holger mahnt zur Eile, da wir noch einen großen Teil der Strecke vor uns haben und der Ort für die Mittagspause noch nicht erreicht ist. 

Um uns vor dem Aufstieg auf die Hohe Geba zu stärken, genießen wir das Mittagessen in einem Gasthof in Wallendorf bei sommerlichen Temperaturen auf der Gartenterrasse. Wir füllen nochmals die Trinkflaschen auf und rüsten uns zum langen Anstieg auf die Hohe Geba, den 751m hohen Hausberg der Thüringischen  Rhön. Jetzt steht der anstrengendste Teil des Tages an. Das grasige, sehr steile Gelände fordert viel Energie.

Nur wenige der Gruppe wie Michel und natürlich unsere Guides schaffen die Steilstufen. „Mit Kurventechnik ähnlich wie beim Anstieg mit Tourenski lassen sich auch solch steile Anstiege meistern“, sagt Holger. Auf dem Gipfel der Hohen Geba werden wir mit einem fantastischen Rundumblick belohnt. Jetzt führt die Route weiter auf dem Kammweg entlang des Rhön-Rennsteig-Weges in Richtung Kaltennordheim, unser Etappenziel des 2. Tages.

Der Gasthof Löwen in Kaltennordheim ist eine urige Unterkunft, die angeblich Goethe schon beherbergt hat: „Hier war Goethe“ steht am Eingang. Wenn das nicht ein Omen ist… In einem wunderbaren Biergarten lassen wir den Tag ausklingen. Es mutet an wie in der Toskana…

3.Tag: Kaltennordheim – Gersfeld über Heidelstein

Das Frühstück im Gasthof Löwen stärkt uns für die Abschlussetappe des 3.Tages. Zunächst geht es zurück auf den Rhön – Rennsteig- Weg in Richtung Eisenacher Haus und Frankenheim. Wir erklimmen einen längeren Pfad über Wurzeln und feuchtes Gras. Am Eisenacher Haus genießen wir noch einmal die großartige Aussicht auf das „Land der offenen Fernen“, wie die Rhön zu Recht genannt wird.

Sonja macht eines ihrer gelungenen Gruppenfotos. Sie ist schon als talentierte Fotografin in der Gruppe bekannt. Am Schwarzen Moor füllen wir unsere Trinkflaschen auf und weiter geht es in Richtung Stirnberg.

Die beiden Holgers entscheiden sich für den steileren Anstieg jenseits der offiziellen MTB Route. Wieder einer der typischen grasigen Anstiege der Rhön wie wir sie auch schon im Aufstieg zur Hohen Geba erlebt haben. Vom Stirnberg führt die Route auf den Hochrhöner in Richtung Heidelstein.

Ursprünglich war geplant, noch einen Abstecher zum Kreuzberg zu machen. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit und der Anstrengung der letzten Tage verkürzen wir die Route und steuern das Rote Moor an, wo wir eine ausführliche Mittagspause machen, um am frühen Nachmittag weiter nach Gersfeld zum Bahnhof zu radeln.

Resümee der Tour:

Alle haben den „Alpencross light“ gemeistert und sich damit eindeutig für den bevorstehenden echten Alpencross Anfang September qualifiziert. Holger&Holger haben super geführt und unterstützt. Ein tolles Team: „Tendenziell Bergab“…


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